LEKTION 10: Dezibel,
Dämpfung,
Kabel
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COPYRIGHT 2006 by Eckart Moltrecht, DJ4UF
Raafstr. 36, 52076 Aachen
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Hinweis: Derzeit basiert dieser Onlinelehrgang auf den
Prüfungsfragen aus dem Lehrgang der Klasse 3 und Vorschlägen des Ausbildungs-
und Jugendreferates (AJW) des DARC für einen Entwurf des Fragenkatalogs der Klasse E nach den Regeln der "Novice
Licence". Die BNetzA wird den Entwurf des Fragenkatalogs erst im
dritten Quartal 2006 (August, September) veröffentlichen. Erst dann werden die hier verwendeten
Prüfungsfragen entsprechend ausgetauscht. Aber Sie können schon beginnen, nach
diesem Lehrgang zu lernen. Die neuen Fragen werden sicher ähnlich (oder gleich)
sein. Der eigentliche Lehrgangsinhalt ändert sich dabei aber kaum mehr. *)
In dieser Lektion ist bei den Prüfungsfragen immer die Antwort A die richtige
Lösung.


Übersicht

Das Dezibel ist eine Zusammenziehung von Bel und einem Zehntel davon -
dezi. Sie kennen sicher ein Dezimeter. Das ist ein Zehntel Meter, also 10
Zentimeter. Aber nun: Bel – was ist das?


Dämpfungsfaktor

Der Dämpfungsfaktor D gibt das Verhältnis der am Anfang
einer Übertragungsstrecke vorhandenen Leistung P1 zu der am Ende
übrig gebliebenen Leistung P2 an.

Der Dämpfungsfaktor ist ein reiner Zahlenwert. DP
= 10 bedeutet, dass die Leistung am Anfang zehnmal höher ist als am Ende des
Kabels.
Hat man in einer Übertragungsstrecke viele Einzeldämpfungen
zu berücksichtigen, muss man die Einzelfaktoren miteinander multiplizieren, um
den Gesamtdämpfungsfaktor zu erhalten.

Bild 10-1: Dämpfungen bei einer Antennenanlage
Aufgabe
Berechnen Sie die Einzeldämpfungen zwischen den verschiedenen Anschlusspunkten
in Bild 11-1 und multiplizieren Sie diese anschließend zum
Gesamtdämpfungsfaktor.
D1 = 10 : 8 = 1,25; D2 = 8 : 5 = 1,6
und so weiter. Dann D1 · D2 · D3 · D4
= ..... Führen Sie die Probe durch, indem Sie den Gesamtdämpfungsfaktor aus P1
und P5 berechnen.


Dämpfungsmaß dB

Einfacher kann man die Einzeldämpfungen zu einer
Gesamtdämpfung zusammenfassen, wenn man die einzelnen Zahlenwerte nur zu
addieren braucht. Dies erreicht man durch die Rechnung mit dem Dezibel, das aus
der Logarithmenrechnung abgeleitet wurde. In der Mathematik gilt
log(a × b
× c) = log a + log b + log c
Aus einer Multiplikation wird durch den Logarithmus eine
Addition. Man muss also nur den Logarithmus der Einzeldämpfungen kennen und kann
dann die Zahlenwerte addieren. Diese Rechnung führt zum Dämpfungsmaß,
ausgedrückt in Bel bzw. Dezibel (gesprochen: dezi-behl). Man definiert das
Leistungsdämpfungsmaß als
1 Bel = 10 dB
(Dezibel)

P1 = Eingangsleistung
P2 = Ausgangsleistung
Diese Formeln bedeuten: Wenn man von dem Verhältnis zweier
Leistungen den Logarithmus berechnet, erhält man einen Zahlenwert, den man dann
als Wert in Bel bezeichnet. Weil das Bel eine relativ große Einheit ist, wählt
man in der Praxis das Dezibel, weil man dann Zahlenwerte zwischen 0,1 und 100
erhält.
Beispiel
Anhand folgenden Beispiels wird
gezeigt, wie man mit Hilfe eines
Taschenrechners eine solche Dämpfung in Dezibel berechnet. Es soll das
Dämpfungsmaß von Punkt 1 nach Punkt 5 aus den Einzeldämpfungsmaßen berechnet
werden.
Lösung: Die Dämpfung von Punkt 1 nach Punkt 2 (Kabel
1) wird zuerst berechnet. Zunächst werden die Werte in die Formel eingesetzt.

Zur Eingabe in den Taschenrechner gehen Sie gemäß folgender
Tabelle vor.
|
Eingabe |
Anzeige |
|
10 |
10 |
|
¸ |
|
|
8 |
8 |
|
= |
1.25 |
|
LOG |
9.691...-02 |
|
* |
|
|
10 |
10 |
|
= |
0.9691... |
Als Ergebnis erhalten Sie den Wert 0,9691. Das Dämpfungsmaß
beträgt also gerundet a1 = 1 dB. Für die weiteren Dämpfungsmaße
ergeben sich a2 = 2 dB, a3 = 1 dB und a4 = 2
dB. Die Gesamtdämpfung durch Addition dieser Werte beträgt 6 dB.
Probe:

Dämpfungswerte in Dezibel lassen sich addieren. Hat man
beispielsweise ein Stück Kabel mit 1,5 dB und ein dazu ein zweites mit 1 dB
Dämpfung, ergeben sich zusammen 2,5 dB. Dies ist der Hauptvorteil der Rechnung
mit Dezibel.


Verstärkung in dB

In der Sendertechnik und hat man es anstatt mit Dämpfungen
mit Verstärkungen zu tun. Die Ausgangsleistung ist dabei größer als die
Eingangsleistung. Dies gilt auch für den Gewinn einer Antenne (siehe Lektion 11
in diesem Lehrgang). Dann rechnet man eine Verstärkung in dB nach folgender
Formel:

also Ausgangsleistung geteilt durch Eingangsleistung.
Beispiel
Eine Endstufe verstärkt eine Leistung von 1 Watt auf 4 Watt. Wie groß ist die
Verstärkung in dB?
Lösung:

Rechnen Sie "zum Spaß" einmal umgekehrt, also 1 geteilt
durch 4 und so weiter. Ihr Taschenrechner wird -6,02 anzeigen. Wenn also die
Eingangsleistung 4 Watt wäre (am Anfang einer Leitung) und am Ausgang 1 Watt,
ergäbe sich eine "Verstärkung" von -6 dB.
Dämpfung ist negative Verstärkung.
Man kann also "Gewinn" und "Verlust" in einer Aufgabe
zusammenrechnen, indem man alle Gewinne (Verstärkungen) positiv und alle
Dämpfungen negativ rechnet.
Übungsaufgabe
Eine Antennenanlage hat ein Kabel mit 1 dB Dämpfung und verwendet eine
Richtantenne mit 11 dB Gewinn. Wie groß ist der verbleibende "Gewinn"?
Lösung
Gesamtgewinn = -1 dB + 11 dB = 10 dB
Aufgabe
Berechnen Sie weitere Dämpfungsmaße in dB, wenn gemäß folgender Tabelle die
Leistungen gegeben sind und tragen Sie die Ergebnisse in die Tabelle ein.
|
Eingang |
Ausgang |
Lösung |
|
1 W |
4 W |
______dB |
|
1 W |
10 W |
______dB |
|
1 W |
100 W |
______dB |
|
1 W |
2 W |
______dB |
|
1 W |
1,141 W |
______dB |
Aus dieser Tabelle sollten Sie sich ein paar Zahlenwerte
merken, nämlich: vierfache Leistung ergibt 6 dB, zehnfacher Leistung entspricht
10 dB, hundertfacher Leistung entspricht 20 dB, doppelter Leistung entspricht
3 dB und √2-facher Leistung entspricht 1,5 dB.
In folgender Tabelle sind noch einmal die wichtigsten Werte
zusammengestellt. Wichtig sind diese, weil sie in den Prüfungsaufgaben
vorkommen.
|
dB |
Leistungsfaktor |
|
0 |
1 |
|
1,5 |
√2 = 1,41 |
|
2,15 |
1,64 |
|
3 |
2 |
|
6 |
4 |
|
10 |
10 |
|
20 |
100 |
Den Wert 2,15 dB benötigen wir später, um in Lektion 18 den
Gewinn einer Dipolantenne gegenüber einem Kugelstrahler berechnen zu können. Mit
diesen wenigen Werten können wir nun auch andere Dämpfungsmaße durch
Zusammensetzung ermitteln.

Zusammengesetzte Werte

Wenn Sie die Umrechnungsfaktoren für die wichtigsten
dB-Werte kennen, können Sie durch Zusammensetzungen auch andere ermitteln. Dazu
muss man nur wissen, dass ein positiver dB-Wert der Multiplikation (malnehmen)
und ein negativer der Division (teilen) entspricht. Angenommen, Sie wissen, dass
3 dB doppelter Leistung und 10 dB zehnfacher Leistung entspricht.
Beispiel
Welchem Leistungsfaktor entsprechen 26 dB?
Lösung:
10 dB + 10 dB + 3 dB + 3 dB = 26 dB
10 · 10 · 2 · 2 = 400
Beispiel
Welchem Leistungsfaktor entsprechen 27 dB?
Lösung:
10 dB + 10 dB + 10 dB - 3 dB = 27 dB
10 · 10 · 10 : 2 = 500
Beispiel
Welchem Leistungsfaktor entsprechen 14 dB?
Lösung:
10 dB + 10 dB - 3 dB - 3 dB = 14 dB
10 · 10 : 2 : 2 = 25
Wir prüfen den letzten Wert einmal durch Rechnung mit der
Formel nach.

P1/P2 ist der Leistungsfaktor 25.



Spannungsdämpfungsmaß

Die Definition des Dezibels geht vom Leistungsverhältnis
aus. Dies sollten Sie sich merken! Das Verhältnis von Spannungen kann man
ebenfalls in dB umrechnen. Die Prüfungsaufgaben zum Amateurfunkzeugnis Klasse E
enthalten nur Rechnungen mit Leistungen. Die Zusammenhänge in Bezug auf
Spannungen werden deshalb hier nur kurz angesprochen, weil es in der Praxis
damit immer wieder Verwechslungen gibt.
Wenn man an einem Kabel oder an einem Verstärker am Eingang
und am Ausgang nur die Spannung misst, kann man unter der Voraussetzung, dass
die Eingangs- und Ausgangswiderstände gleich sind, mit folgender Formel die
Dämpfung beziehungsweise die Verstärkung in dB ausrechnen. Die Ableitung dieser
Formel finden Sie im Aufbaulehrgang zur Klasse A.

au steht für den Spannungsdämpfungsfaktor, U1
und U2 für die Eingangs- und Ausgangsspannung. Statt einer 10 bei
Leistungen steht hier die 20 vor dem Logarithmus. Deshalb sind die Dezibelwerte
bei gleichem Verhältnis doppelt so hoch. Vergleichen Sie die beiden folgenden
Tabellen!
|
Leistungsfaktor |
Dezibel |
|
2 |
3 dB |
|
4 |
6 dB |
|
10 |
10 dB |
|
Spannungsfaktor |
Dezibel |
|
2 |
6 dB |
|
4 |
12 dB |
|
10 |
20 dB |

S-Stufen


Bild 10-2: S-Meter (obere Skale)
Eine weitere Anwendung der dB-Rechnung sind die „S-Stufen“
bei der Empfangsbeurteilung im Amateurfunk. In der Empfangstechnik hat man bei
der Angabe der Empfangsfeldstärke im RST-System für die Lautstärke S9 einen
bestimmten Wert einer Empfangsspannung an einem 50-Ohm-Eingang festgelegt.
Kurzwelle:
S9 entspricht 50 µV an 50 W
UKW:
S9 entspricht 5 µV an 50 W
Jede der neun S-Stufen entspricht 6 dB. 6 dB entsprechen
einem Faktor 2 bei Spannungen, S8 hat also bei Kurzwelle einen Wert von 25 µV,
S2 von 0,2 µV. S0 gibt es nicht.

Tabelle der S-Werte in µV
Um auch Empfangsspannungen größer als 50 µV (bzw. 5 µV bei
UKW) im RST-System angeben zu können, nennt man die Dezibel über S9 als Zusatz.
Beispiel: Welcher Empfangsspannung entspricht die Angabe S9+40 dB auf
Kurzwelle?
Lösung: S9 =
50 µV. 40 dB entsprechen dem Spannungsfaktor 100. 50 µV . 100 = 5000 µV = 5 mV
Prüfungsaufgabe TF403
Um wie viel S-Stufen müsste die S-Meter-Anzeige Ihres Empfängers steigen,
wenn Ihr Partner die Sendeleistung von 10 Watt auf 40 Watt erhöht? Um
A eine, B 2, C 4, D 8 S-Stufen
Tipp: Vierfache Leistung ist wie viel dB?
Prüfungsaufgabe
TF404
Ein Funkamateur kommt laut S-Meter mit S7 an. Dann schaltet er seine
Endstufe ein und bittet um einen erneuten Rapport. Das S-Meter zeigt S9+8dB.
Um welchen Faktor müsste der Funkamateur seine Leistung erhöht haben?
A 10-fach B 20-fach
C 100-fach D 120-fach
Lösung: Von S7 bis S9 sind es zwei S-Stufen, also
12 dB. Dazu 8 dB ergibt 20 dB. 20 dB entsprechen hundertfacher Leistung.
Prüfungsaufgabe TF405
Ein Funkamateur hat eine Endstufe, welche die Leistung verzehnfacht
(von 10 auf 100 Watt). Ohne seine Endstufe zeigt Ihr S-Meter genau S8. Auf
welchen Wert müsste die Anzeige Ihres S-Meters ansteigen, wenn er die Endstufe
dazuschaltet?
A S9+4 dB B S18
C S10+10 dB D S9+9 dB
Lösung: Zehnfache Leistung sind 10 dB. Von S8 bis S9
sind 6 dB, bleiben noch 4 dB übrig, also S9+4 dB.
Prüfungsaufgabe TF406
Wie groß ist der Unterschied von S4 nach S7 in dB?
A 3 dB B 9 dB
C 18 dB D 24 dB
Von S4 bis S7 sind es drei S-Stufen. jede S-Stufe sind
6 dB, macht zusammen 18 dB.


Pegel


Bild 10-3: Die wichtigsten Leistungspegel
Häufig werden Leistungs- oder Spannungsangaben auf einen
festgelegten Wert bezogen. Dann lassen sich Aussagen über die tatsächliche
Leistung machen. Der Pegel in der Hochfrequenztechnik entspricht dem Pegel, den
man von den Wasserstandsangaben kennt. Man kann den Wasserstand zum Beispiel an
einer Stelle angeben als 6,15 m. Man kann aber auch sagen, dass heute der Pegel
15 cm höher als normal ist (6,00 m).
In der Übertragungstechnik gibt es verschiedene Normal- oder
Nullwerte, auf die man sich bezieht, Watt (dBW), Milliwatt (dBm), Pikowatt (dBpW),
Volt (dBV), Mikrovolt (dBµV). Hier im Lehrgang Klasse E werden nur
Leistungspegel besprochen.
In der NF- und in der HF-Technik werden die Pegel dBm und
dBW verwendet. Es bedeutet, dass der Bezugswert 1 Milliwatt bzw. 1 Watt beträgt.
Bei sehr kleinen Leistungen in der HF-Messtechnik und bei Angaben über
Störleistungen (EMV) wird der Bezugswert 1 Pikowatt verwendet, deshalb pW hinter
dB. Die Formeln für den Leistungspegel lauten

Prüfungsaufgabe TH304
Welche der nachfolgenden Zusammenhänge sind richtig?
A 0 dBm entspricht 1 mW;
3 dBm entspricht 1,4 mW;
20 dBm entspricht 10 mW
B 0 dBm entspricht 0 mW;
3 dBm entspricht 30 mW;
20 dBm entspricht 200 mW
C 1 dBm entspricht 0 mW;
2 dBm entspricht 3 mW;
100 dBm entspricht 20 mW
D 0 dBm entspricht 1 mW;
3 dBm entspricht 2 mW;
20 dBm entspricht 100 mW
Lösung
Wenn Sie die Hinweise im vorigen Absatz beachten, werden Sie bald
herausfinden, dass die letzte Aussage richtig ist.
Die Pegelwerte lassen sich mit Angaben in dB-Gewinn und
solchen in dB-Dämpfung verrechnen. Ist beispielsweise der Pegel an einer Stelle
15 dBm und man hat man dahinter einen Verstärker mit 10 dB Gewinn, ist hinter
dem Verstärker der Pegel 25 dBm. Folgt dann noch ein Kabel mit 2 dB Dämpfung,
beträgt der Pegel am Ende des Kabels 23 dBm.
Oder umgekehrt: Hat man beispielsweise vor der
Senderendstufe einen Pegel von 30 dBm und ist danach der Pegel 36 dBm, hat die
Senderendstufe eine Verstärkung von 6 dB (nicht dBm!).
Merke:
dB gilt immer für Verhältnisse,
dBm ist immer ein absoluter Wert.


Hochfrequenzleitungen


Bild 10-4: A Offene Paralleldrahtleitung, B
Flachbandleitung, C Koaxialkabel
Hochfrequenzleitungen dienen dazu, entweder die vom
Sender produzierte HF-Energie zur Antenne zu übertragen oder umgekehrt, die von
der Antenne aufgefangene HF-Energie zum Empfänger zu leiten. In der
Sendertechnik soll die Hochfrequenzleistung möglichst vollständig zur Antenne
gelangen. Deshalb müssen verlustarme Leitungen verwendet werden. Es gibt zwei
Arten von HF-Leitungen: Die Paralleldraht- oder Flachbandleitung und das
Koaxialkabel (Bild 10-4).

Wellenwiderstand

Eine Leitung besteht im Prinzip aus der Reihenschaltung
vieler kleiner Spulen und der Parallelschaltung vieler kleiner Kondensatoren
(Bild 10-5 A). Berücksichtigt man noch den Leitungswiderstand R’ und den
Isolationswiderstand RP, erhält man das exakte Leitungsersatzbild
(Bild 10-5 B).
Man nennt die Kapazität pro Meter Länge einer Leitung
den Kapazitätsbelag C’

Bild 10-5: A: Ersatzbild, B: exaktes Ersatzbild
einer Koaxialleitung
und die Induktivität pro Meter den Induktivitätsbelag L’.
Aus diesen beiden Werten kann man den wichtigsten Kennwert einer Leitung
berechnen, den Wellenwiderstand.

Beispiel:
Von einem Meter Kabel wurde im Leerlauf die Kapazität von C’=90 pF und bei
Kurzschluss die Induktivität von L’=0,5 µH gemessen. Wie groß ist der
Wellenwiderstand dieser Leitung?
Lösung

Der Wellenwiderstand ist unabhängig von der Länge der
Leitung, denn verdoppelt man die Länge, erhält man doppelte Induktivität und
doppelte Kapazität. Der Wellenwiderstand bleibt gleich. Er ist auch
unabhängig von der Frequenz.
Der Wellenwiderstand ist der wichtigste Kennwert einer
Hochfrequenzleitung. Sowohl die Antenne mit ihrem Fußpunktwiderstand wie auch
der Sender mit seinem Ausgangswiderstand sollten normalerweise mit dem
dazwischen geschalteten Wellenwiderstand des Kabels übereinstimmen. Andernfalls
gibt es Fehlanpassungen, die sich durch so genannte stehende Wellen
äußern und zu Fehlverhalten führen.
Anders ausgedrückt: Schließt man an das Ende einer
Hochfrequenzleitung einen Widerstand an, der genau dem Wert des
Wellenwiderstandes entspricht, wird alle Leistung an diesen Widerstand
abgegeben. Man spricht dann von Leistungsanpassung. Es treten keine Reflexionen
und damit keine stehenden Wellen auf.
Deshalb definiert man: Der Wellenwiderstand entspricht dem
Abschlusswiderstand einer Leitung, bei dem keine stehenden Wellen auftreten.
Umgekehrt gilt: Treten stehende Wellen auf, ist der am
Kabelanfang zu messende Widerstand nicht gleich dem Wellenwiderstand. Die
Wellenwiderstände Zw der Hochfrequenzleitungen sind vom Aufbau und
vom Material abhängig. In der Praxis findet man folgende Werte:
Paralleldrahtleitungen:
Zw = 150 Ω bis 600 Ω
Koaxialleitungen:
Zw = 50 Ω bis 95 Ω
Für die Einspeisung unabgestimmter symmetrischer Antennen
eignet sich die Paralleldrahtleitung (im Amateurfunk „Hühnerleiter“ genannt)
wegen ihrer geringen Verluste hervorragend als Speiseleitung. Man kann sie
fertig im Amateurfunk-Zubehörhandel kaufen oder auch selbst anfertigen, indem
man zwei Antennendrähte mit Isolierspreizern auf einen Abstand von zirka 6 bis
10 cm bringt.
Prüfungsfragen TH307 Der Wellenwiderstand einer Leitung
A ist völlig frequenzunabhängig.
B hängt von der Beschaltung am Leitungsende ab.
C hängt von der Leitungslänge und der Beschaltung am Leitungsende ab.
D ist im HF-Bereich in etwa konstant und unabhängig vom Leitungsabschluss.
Prüfungsfrage TH308
Koaxialkabel weisen typischerweise Wellenwiderstände von
A 50, 300 und 600 Ω auf.
B 60, 120 und 240 Ω auf.
C 50, 60 und 75 Ω auf.
D 50, 75 und 240 Ω auf.
Prüfungsfrage TH309
Welche Vorteile hat eine Paralleldraht-Speiseleitung?
A Sie vermeidet Mantelwellen durch Wegfall der Abschirmung.
B Sie erlaubt leichtere Kontrolle des Wel-lenwiderstandes durch Verschieben der
Spreizer.
C Sie bietet guten Blitzschutz durch nie-derohmige Drähte.
D Sie hat geringe Dämpfung und hohe Spannungsfestigkeit.
Prüfungsfrage TH310
Wann ist eine Speiseleitung unsymmetrisch?
A Wenn die hin- und zurücklaufende Leistung verschieden sind.
B Wenn sie außerhalb ihrer Resonanzfrequenz betrieben wird.
C Wenn die beiden Leiter unterschiedlich geformt sind, z.B. Koaxialkabel.
D Wenn die Koaxial-Leitung Spannung gegen Erde führt.
Prüfungsfrage TH311
Welche Leitungen sollten für die HF-Verbindungen zwischen
Amateurfunk-Einrichtungen verwendet werden, um unerwünschte Abstrahlungen zu
vermeiden?
A Hochwertige abgeschirmte Netzanschlusskabel.
B Hochwertige asymmetr. Koaxialkabel
C Symmetrische Feederleitungen
D Unabgestimmte Speiseleitungen

Bild 10-5: Rechts die 500-Ω-Paralleldrahtleitung


Dämpfungsberechnung

Der zweite, wichtige Kennwert einer Hochfrequenzleitung ist
die Dämpfung. Dämpfung bedeutet, dass nur noch ein Teil der
Eingangshochfrequenzleistung am Ende der Leitung ankommt. Natürlich will man die
Dämpfung in der Übertragungstechnik gering halten.
Die Dämpfung hängt vom Verlustwiderstand der Leitung ab. Das
ist primär der Leitungswiderstand der inneren Kupferleitung und des Geflechtes
bei Koaxialkabeln. Je dicker der Innenleiter ist, desto geringer sind die
Verluste. Desto dicker muss aber auch der Außenleiter sein. Diese Kabel sind
teurer als dünne Leitungen.
Ferner hängen die Verluste vom Isolierstoff (Dielektrikum)
ab. Am wenigsten Verluste haben Leitungen ohne Kunststofffüllung, also Luft als
Dielektrikum. Diese Leitungen sind bei gleichem Innenleiter viel dicker. Sie
sind aufwendiger in der Herstellung und dadurch teurer.
Die Dämpfung wird meist in Dezibel pro hundert Meter Länge
bei einer bestimmten Frequenz angegeben. Verwendet man ein Kabel mit halber
Länge, hat man auch nur die Hälfte der Dämpfung. Beim Aufbau der Antenne sollte
man also darauf achten, dass der Weg vom Sender bis zur Antenne möglichst kurz
wird.
Die Dämpfung ist außerdem frequenzabhängig. Im Fragenkatalog
der BNetzA finden Sie ein Diagramm mit der Grunddämpfung gebräuchlicher
Koaxialleitungen in Abhängigkeit von der Betriebsfrequenz. Dieses Diagramm
erhalten Sie bei der Prüfung zusammen mit der Formelsammlung. Sie finden dieses
Diagramm in diesem Buch im Anhang 4.
Ableseübung
Gegeben ist das Diagramm aus dem Fragenkatalog der BNetzA (siehe Anhang 4 in
diesem Buch). Lesen Sie ab: Wie groß ist die Dämpfung je eines 100 m langen
Kabelstücks vom Typ Aircell 7 bei den Frequenzen 29, 145, 435 und 1296 MHz?
Vergleichen Sie die abgelesenen Werte mit denen unten in der
Tabelle 10-1.
Vergleichen Sie einmal die Dämpfung von RG58 mit dem nicht
viel dickeren Aircell 7 bei 145 MHz. RG58 hat eine fast dreimal so hohe
Dämpfung, ist also nur für sehr kurze Verbindungsstücke, nicht aber als
Antennenzuleitung geeignet. Verwechseln Sie in der Praxis RG58 nicht mit RG59
(75 Ohm!).
Prüfungsfrage TH306
Welche Dämpfung hat ein 20 m langes Koaxialkabel vom Typ RG58 bei 29 MHz?
A 1,5 dB B 1,8 dB
C 3,75 dB D 4,5 dB
Hinweis: Beachten Sie, dass die Angaben der Dämpfung
im Dämpfungsdiagramm aus der Formelsammlung auf 100 m bezogen sind. Bei 20 m
Länge ist die abgelesene Dämpfung durch fünf zu teilen.
Prüfungsaufgaben TH305
Welche Dämpfung hat ein 25 m langes Koaxkabel vom Aircell 7 bei 145 MHz?
(siehe hierzu Diagramm)
A 1,9 dB B 7,5 dB
C 3,75 dB D 1,5 dB
Lösung: Für Aircell 7 lesen Sie bei 145 MHz eine
Dämpfung 7,5 dB ab. Weil es nur 25 m sind, teilen Sie diesen Wert durch vier und
erhalten 1,875 dB, gerundet 1,9 dB.
Prüfungsfrage TH301
Am Ende einer Leitung ist nur noch ein Viertel der Leistung vorhanden. Wie
groß ist das Dämpfungsmaß des Kabels?
A 3 dB B 6 dB
C 10 dB D
16 dB
Lösung: Sie wissen sicher auswendig: Ein Viertel der
Leistung entspricht 6 dB.
Prüfungsaufgabe TH302
Am Ende einer Leitung ist nur noch ein Zehntel der Leistung vorhanden. Wie
groß ist das Dämpfungsmaß des Kabels?
A 16 dB B 3 dB
C 6 dB D
10 dB
Lösung: Siehe Anhang 1!

Tabelle 10-1: Wellenwiderstand und Dämpfung gebräuchlicher
Standard-Koaxkabel


Anpassung


Anpassung in der Hochfrequenztechnik bedeutet, dass auf der
einen Seite der Arbeits- oder Außenwiderstand des Senders mit der
angeschlossenen HF-Leitung und auf der anderen Seite die Antennenimpedanz mit
dem Wellenwiderstand des Kabels übereinstimmt.
Die Transistoren oder Röhren einer Senderendstufe (PA,
power amplifier) müssen bei eingangsseitig voller
Aussteuerung und gegebener Betriebsspannung einen bestimmten Lastwiderstand RL
vorfinden, wenn sie die maximal mögliche Ausgangsleistung abgeben sollen. Die
Größenordnung des optimalen RL liegt bei wenigen Ohm bei Transistoren
und bis zu einigen Kiloohm bei Röhren.
Mittels Anpassgliedern wird der jeweilige Lastwiderstand RL
in den heute üblichen Senderausgangswiderstand Ra von 50 Ohm
transformiert. Wird nun an den 50-Ω-Ausgang ein Koaxialkabel mit einem
Wellenwiderstand von 50 Ω angeschlossen, das seinerseits mit einer Antenne
verbunden ist, deren Eingangswiderstand bei 50 Ω liegt, gibt der Sender die
maximal mögliche Leistung ab.
Weicht jedoch die Antennenimpedanz wesentlich von 50 Ω ab,
etwa wegen zu geringer Aufbauhöhe oder weil man sich mit dem Transceiver
wesentlich von der Resonanzfrequenz der Antenne entfernt hat, findet die PA eine
abweichende Impedanz vor und die Leistungsabgabe sinkt.


Stehwellenverhältnis

Wie gut eine Antenne an die Zuleitung oder die Zuleitung an
den Senderausgang angepasst ist, kann man mit dem Stehwellenverhältnis (SWR
standing wave ratio oder VSWR voltage standing wave ratio) beschreiben.
Schickt man hochfrequente Leistung auf ein Kabel und wird
wegen einer Fehlanpassung der Antenne an das Kabel nicht alle Energie
abgenommen, wird dieser Teil reflektiert und wandert wieder zurück in Richtung
Sender. Dabei überlagert sich diese rücklaufende Welle ur mit der
hinlaufenden Welle uh (Bild 10-7). Dadurch entstehen in regelmäßigen
Abständen Wellenberge (Summe aus hinlaufender und rücklaufender Welle) und
Wellentäler (Differenz aus hinlaufender und rücklaufender Welle). Diese an
bestimmten Stellen auftretenden Maxima Umax und Minima Umin
bezeichnet man als stehende Wellen und das Verhältnis davon als
Stehwellenverhältnis SWR (standing wave ratio).


Bild 10-8: Maxima und Minima durch stehende Wellen
Mehr zu SWR-Berechnungen und der praktischen Messtechnik
dazu finden Sie in der Lektion 17: Messtechnik.
Nur eines schon vorweg: Ein SWR von 1 (oder 1 zu 1) bedeutet vollkommene
Anpassung.

Symmetrierung

Außer der eigentlichen Widerstandsanpassung muss bei
Speisung von symmetrischen Antennen mit unsymmetrischen Kabeln auch noch
symmetriert werden. Symmetrische Antennen sind alle Arten von Dipolen,
unsymmetrische Antennen sind solche, die gegen Erde erregt werden (zum Beispiel
λ/4-Vertikalstrahler). Symmetrische Kabel sind Paralleldrahtleitungen,
unsymmetrische Kabel sind Koaxialkabel.
Wird eine symmetrische Antenne direkt an ein Koaxialkabel
angeschlossen, so entstehen durch die Unsymmetrie Ausgleichsströme auf dem
Mantel des Kabels, so genannte Mantelwellen. Damit strahlt ein solches
Kabel HF-Energie ab, was bei benachbarten Zuleitungskabeln für Rundfunk- und
Fernsehgeräte zu unerwünschten störenden Beeinflussungen führen kann. Zudem
steigen die Verluste und das Strahlungsdiagramm der Antenne wird verzerrt.
Zur Symmetrierung wird ein Breitbandsymmetrierübertrager
(Balun genannt) verwendet. Balun kommt aus dem Englischen von
balanced (symmetrisch) -
unbalanced (unsymmetrisch), wie er im Bild 10-8 zu sehen ist. Es kann
auch eine Mantelwellendrossel eingesetzt werden (Siehe Prüfungsfrage TH405).
Prüfungsaufgabe TH403
Welche Auswirkungen hat es, wenn eine symmetrische Antenne (Dipol) mit
einem Koaxkabel gleicher Impedanz gespeist wird?
A Es treten keine nennenswerten Auswirkungen auf, da die Antenne angepasst ist
und die Speisung über ein Koaxkabel erfolgt, dessen Außenleiter Erdpotential
hat.
B Die Richtcharakteristik der Antenne wird verformt und es können Mantelwellen
auftreten.
C Am Speisepunkt der Antenne treten gegenphasige Spannungen und Ströme gleicher
Größe auf, die eine Fehlanpassung hervorrufen.
D Es treten Polarisationsdrehungen auf, die von der Kabellänge abhängig sind.
Prüfungsaufgabe TH404 Ein
symmetrischer Halbwellendipol wird direkt über ein Koaxialkabel von
ei-nem Sender gespeist. Das Kabel ist senk-recht am Haus entlang
verlegt und verursacht geringe Störungen. Um das Problem weiter zu
verringern, empfiehlt es sich
A das Koaxialkabel durch eine Eindrahtspeiseleitung zu ersetzen.
B beim Koaxialkabel alle 5 m eine Schleife mit 3 Windungen einzulegen.
C das Koaxialkabel in einem Kunststoffrohr zur mechanischen Schirmung
un-terzubringen.
D den Dipol über ein Symmetrierglied zu speisen.
Prüfungsaufgabe TH405
Auf einem Ferritkern sind etliche Windungen Koaxialkabel aufgewickelt.
Diese Anordnung kann dazu dienen,
A statische Aufladungen zu verhindern.
B eine Antennenleitung abzustimmen.
C Mantelwellen zu dämpfen.
D Oberwellen zu unterdrücken.

Bild 10-9: Ringkern-Balun

Stecker

Die Kabel werden an ihren Enden nicht in den Geräten
angelötet, sondern mit Steckern versehen, die an die Gerätebuchsen angeschraubt
werden. Für Kurzwelle und auch noch gelegentlich im 2-m-Band verwendet man das
UHF-System, meistens PL-Stecker und PL-Buchse genannt. Für das 70-cm-Band und
auch für das 2-m-Band verwendet man das N-System und für Messgerätekabel, für
Handfunkgeräte und für Sender kleiner Leistung (etwa bis 20 Watt) das BNC-System.
Für VHF/UHF-Handfunkgeräte verwendet man heutzutage die sehr kleinen
SMA-Stecker.

Bild 10-9 PL-Stecker (UHF-System)

Bild 10-10: N-Stecker
Bild 10-11: BNC-Stecker

Bild 10-12 SMA-Stecker
Prüfungsfrage TH312
Welcher der Koaxsteckverbinder (Bilder 10-9 bis 10-11) ist für sehr hohe
Frequenzen (70-cm-Band) und hohe Leistungen am besten geeignet?


Anhang
 Anhang 1:
Lösung der Prüfungsfragen hier immer A.
Anhang 2:
Formelsammlung zur Prüfung zum Amateurfunklehrgang Klasse E
Anhang 3:
Diagramm
Kabeldämpfung
Anhang 4:
Lehrplan/Lernplan
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